Montag, 21. November 2011

Das Gedenken an die Toten


Ein Beitrag von Sara - Herz und Leben hat mich angeregt, meinen etwas längeren Kommentar bei ihr zu bearbeiten und auch hier reinzustellen.


Gestern war Totensonntag, ein evangelischer Gedenktag für die Toten. Da mein Mann evangelisch ist, ist für mich klar, dass ich auch diesen Gedenktag achte und mit ihm begehe. Wir Katholiken gehen ja an Allerheiligen bzw. Allerseelen auf die Gräber zum Totengedenken - und ich hoffe ja, nicht nur da. Wobei ich der Meinung bin, dass man nicht nur am Grab trauern kann, sondern auch daheim und vor allem in seinem Herzen. Das Grab ist aber eben ein Ort, an den man hingehen kann, wo man weiß, dort liegt der Tote. Ich kann schon verstehen, dass Hinterbliebene, die keinen Ort haben, an den sie gehen können, um um den Toten zu trauern, damit ein Problem haben können, weil ihnen eben die Möglichkeit genommen wurde, an diesem speziellen Ort Zwiesprache mit dem Toten zu halten.


Traurig finde ich in dem Zusammenhang nur, dass man nicht mal hier eine Ökumene hinkriegt, vor allem wegen der Arroganz der Verantwortlichen der katholischen Kirche, allen voran dem Papst, der es nicht schafft, mehr als nur Absichtserklärungen und Allgemeinplätze abzusondern. Es müsste doch wenigstens möglich sein, einheitliche Feiertage für alle Christen zu schaffen, die wir doch alle an den einen Gott und an den einen Christus glauben.


Doch auch wenn wir nicht alle an Gott glauben und wenn wir auch nicht alle daran glauben, dass es nach dem Tod weitergeht, so lädt doch diese Jahreszeit zum Nachdenken und Innehalten ein.


Wir werden darauf gestoßen, dass das Leben irgendwann einmal aufhört. Wir können es nicht mehr verdrängen und verleugnen, denn wir sehen es jeden Tag mehr, wie die saftigen grünen Blätter bunt werden und dann vom Baum fallen, verdorrt und vertrocknet. Wie das Leben scheinbar - aber eben nur scheinbar - aufhört und zum Stillstand kommt.


Wir denken darüber nach, wie wir unser Leben leben sollten, damit wir am Ende nicht mit leeren Händen vor Gott dastehen. Menschen, die mit dem Glauben nichts am Hut haben, denken darüber nach, was das Leben für einen Sinn hat, was ihr eigenes Leben für einen Sinn hat. Wir grübeln darüber, was wir tun können, damit unser Leben nicht sinnlos ist. Und wie wir es hinbekommen, den Gedanken zuzulassen, dass auch unser Leben und das unserer Lieben einmal zu Ende sein wird - manchmal ganz plötzlich.


Es sind viele Gedanken, die mich dann gerade bei einem Grabbesuch überkommen. So ist es einerseits das Gedenken an die Toten selbst und die Erinnerung an sie, das Gebet für sie, dass es ihnen jetzt gut gehen möge, da wo sie sind - und andererseits mein Nachdenken darüber, dass auch mein Leben und das meiner Lieben endlich ist und wie ich daher wenigstens mein eigenes Leben mit Lebens-Sinn füllen kann.


Dass das Leben nach dem Tod weiter geht, daran glaube ich, so wie die Natur sich erneuert und nach einem Winter wieder ein Frühling kommt. Und darum hat diese kalte und unwirtliche Jahreszeit auch nicht den Schrecken für mich. Ich weiß, ich muss durch diese kalte Jahreszeit hindurch gehen ... und danach wartet wieder ein wundervoller Frühling auf mich.



P. S. Das Bild oben habe ich auf dem wunderschönen Waldfriedhof von Löwenstein gemacht, links auf dem Bild ist einer der riesigen Mammutbäume/Wellingtonien zu sehen, die dort stehen.

Kommentare:

  1. Liebe Irmgard!
    Auch ich glaube fest daran, dass es nach dem Tod weiter geht.
    Lieben Gruß
    Poldi

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  2. Liebe Irmgard,
    in dieser Jahreszeit, wo die Gräber schön geschmückt sind und die Natur ihren Beitrag dazu leistet, indem sie die "typische Friedhofstimmung" schafft, besuche ich öfter als sonst die Friedhöfe. Besonders alte Friedhöfe haben für mich einen besonderen Reiz, dort studiere ich gerne die Inschriften der alten Grabsteine.
    Was mögen das für Menschen gewesen sein?
    Wie hart war damals ihr Leben?
    Das sind dann meine Gedanken.

    Ich wünsche dir eine schöne Woche.
    Grüßle
    Traudi

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  3. Liebe Irmgard,

    Deine Gedanken über den Totensonntag sind mir einfach aus der Seele gesprochen. Ich denke und fühle wie Du. Auch mein Mann ist evangelisch und ich bin katholisch.
    Ich finde es auch so traurig, dass immer noch dieser Unterschied besteht und wir - wie es scheint - nicht fähig sind, gemeinsame Feiertage für uns Christen zu schaffen. Wir glauben doch an einen gemeinsamen Gott und er wollte niemals, dass sich die Christenheit so spaltet.
    In welcher Zeit leben wir, wo es nicht einmal möglich ist, gemeinsam die Kommunion bzw. das Abendmahl zu empfangen.
    Es ist so traurig!
    Selbst der Papst ist nicht fähig, da etwas zu ändern. Kann er ja auch nicht, denn er hat ja nicht viel zu sagen - die alten "Würdenträger" in Rom um ihn herum diktieren ihm doch, was Sache ist. Solange da kein "junges Blut" reinkommt und der alte Zopf aufrechterhalten bleibt, wird sich auch nichts ändern!

    Mein Mann und ich waren am Allerheiligentag (das machen wir JEDES Jahr) gemeinsam auf dem Friedhof zur Gräbersegnung. Auch wenn sein Elterngrab (das meiner Eltern ist in meiner Heimat in Österreich!) nun aufgelöst ist, gehen wir trotzdem hin. Es ist eine alte Tradition, die ich sehr schön finde.
    Natürlich haben wir unsere lieben Verstorbenen in unserem Herzen und können an sie überall denken, nicht nur am Friedhof. Eben auf jedem Platz der Welt!

    Wie es nach unserem "Besuch hier auf Erden" sein wird, wissen wir alle nicht. Aber der Gedanke daran, dass es weitergeht - irgendwie - ist schon sehr tröstlich!

    Du hast es schön gesagt, nach einem kalten Winter kommt wieder der warme Frühling - es entsteht wieder neues Leben!
    So gibt es auch immer wieder Hoffnung!
    Und das ist gut so!

    Liebe Grüße für Dich, Irmgard
    herzlich Renate

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  4. Hallo liebe Irmgard,
    ich habe deine Gedanken zum Totensonntag und deine weiteren Ausführungen mit Interesse gelesen. Für mich ist es immer schwierig solchen kirchlichen Ritualen eine tiefe Bedeutung beizumessen. Ich gehöre keiner Kirche an und glaube auch an kein Leben nach dem Tod, jedenfalls nicht im kirchlichen Sinn, so mit Himmel, Hölle und Vergebung aller Sünden. Dafür liegt mir das Beobachten der Natur, ihrer Vergänglichkeit und Wiederauferstehung umso mehr. Friedhöfe mag ich nicht sonderlich, mir gefällt aber der Gedanke von Waldbestattungen. Dieses wieder Zurückgegeben werden in den Kreislauf der Natur ist für mich eine sinnvolle Sache und eine schöne Vorstellung. Der Menschen, die ich geliebt habe und die nicht mehr sind, kann ich eigentlich überall gedenken. Aber das muss jeder mit sich selbst ausmachen.
    Lieben Gruß
    Elke
    Hm, jetzt habe ich mir das Feld zum Schreiben vergößert, kann aber nichts mehr kontrollieren. Tippfehler bitte ich zu entschuldigen.

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  5. Liebe Irmgard,

    nun bin ich nochmals hier für diesen Beitrag von dir .. und habe mir auch die Kommentare der anderen Bloggerinnen durchgelesen.

    Ein so umfassendes und für mich nicht einfach in Worte zu fassendes Thema .. Du weißt vielleicht, daß ich mich letztes Jahr habe taufen lassen und in die ev. Kirche eingetreten bin. Trotz vieler Zweifel, die ich zeit meines Lebens habe ..

    Beim Lesen dachte ich eben spontan, daß ich es ähnlich empfinde, wie Elke es beschreibt ..

    Friedhöfe mag ich auch nicht besonders, sie sind mir sogar eher "unheimlich" bzw. ich begegne ihnen evt. mit der Kamera, die sicher eine Art Distanz-Halter zwischen mir und dem Friedhof darstellt. Wir gehen selten dorthin ..wenn, dann mit Verwandten, aber für uns selbst ist es so, daß wir den Verstorbenen eher und "freier" an anderer Stelle gedenken können ..an Orten, wo wir gemeinsam mit ihnen Lebenszeit verbracht haben zum Beispiel. Und im Wald.

    Waldbestattungen - in einem Friedwald - der Gedanke gefällt mir auch gut. An der Ostsee waren wir in einem solchen Friedwald ..die Atmosphäre ist ganz eigen.

    Was die Ökumene angeht, stimme ich dir absolut zu ..

    Dein letzter Satz hat etwas sehr Tröstliches ..

    Ich tu mich ja nach wie vor schwer mit dieser Zeit bzw. mit dem Loslassen, der Vergänglichkeit und dem Gedanken an den Tod als solches. Sicher auch aufgrund meiner Zweifel bezüglich des Danach.

    Ich wünsche dir alles Liebe und schicke dir sonnige Grüsse,
    Ocean

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  6. Vielen Dank für eure ausführlichen Kommentare. Wegen dem Friedhof - bzw. wegen des Friedhofes ;-): Ich habe da vielleicht auch deswegen wenig Berührungsängste, weil ich schon als älteres Schulkind als Abkürzung immer durchging, wenn ich zum Bahnhof musste. Nur abends in der Dämmerung war mir da manchmal mulmig und ich ging außen rum, aber nur wegen der lebenden Menschen, nicht wegen der toten ;)
    Es ist irgendwie seltsam, ähnlich der Stimmung in einer Kirche, wenn ich auf einem Friedhof bin. Hier kann man einiges aus den Grabinschriften herauslesen. So viele Menschenschicksale kann man wenigstens in Ansätzen erahnen. Die Gräber der Kinder oder von jungen Leuten ... wie schwer mag das die Hinterbliebenen belasten!
    Ja, ich denke, mit dem Gedanken danach haben so einige ihre Probleme. Ich denke, dass ab und zu auch tief Gläubige der bange Gedanke über das Danach überkommt. Ich bin nicht mal so tief verfestigt im Glauben, habe da auch in einigen meine Zweifel und Ängste, aber im Großen und Ganzen ist da dieser Glaube, dass es weitergeht.
    Es ist gut, auch andere Sichtweisen kennen zu lernen. So wie Lemmie schon sinngemäß bei mir schrieb: Es gibt so viele Sichtweisen, wie es Menschen gibt.
    Ich habe übrigens auch einmal daran gedacht, mich irgendwo namenlos in einem Friedwald begraben zu lassen, aber in einem Gespräch mit meinem Sohn kam ich doch zu der Erkenntnis, dass die Hinterbliebenen oft einen Ort möchten, an dem sie trauern können, an dem sie den Toten in Gedanken suchen können. Es gibt da sowieso so einen große Bandbreite, dass für jeden etwas dabei ist, so wie er es möchte.
    Danke für eure ausführlichen und vielfälitgen Antworten!

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  8. @ Renate: Danke auch für Deinen Kommentar. Ich wusste gar nicht, dass Du in einer ähnlichen Situation wie ich bist. Wegen der Kommunion muss ich Dir allerdings ehrlich sagen, dass es mir egal ist, was der Vatikan mir diesbezüglich vorschreiben will. Ich gehe mit meinem Mann zum evangelischen Abendmahl und er mit mir zum katholischen. Ich hoffe, dass es irgendwann in nicht zu langer Zeit einmal möglich ist, dass Ökumene wirklich stattfindet. Zum Teil liegt es meiner Meinung schon an dem erzkonservativen Papst selbst. Als ich jung war, gab es diese Aufbruchstimmung in der Kirche, davon ist nichts mehr da. Leider.
    (ich hatte den Kommentar bei Renate zu früh kopiert, hatte noch was angefügt)

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  9. Liebe Irmgard,
    danke für den Link!
    Wir gehen dann auch - sofern wir es irgendwie einrichten können, zum Friedhof.
    Auch wenn man innerlich trauern kann oder an so manchen anderen Orten, so finde ich doch ein richtiges Grab einfach schöner, richtiger. Und ich glaube, daß es auch im biblischen Sinne ist, einen Menschen ordentlich zu bestatten und nicht einfach irgendwo zu "verscharren" oder gar die Asche in alle Himmelsrichtugnen auszustreuen ...

    Tja, die Menschen wird man wohl nie unter einen Hut kriegen und das ist eben das Problem.

    Ich finde es - im Gegensatz - eher nicht tröstlich, daß es nach dem Tode weitergeht. Denn dann wüßten wir ja nicht "wie" es weitergeht und wenn wir uns dann noch an unser diesseitiges Leben erinnern, stelle ich mir das ganz schrecklich vor, plötzlich ganz woanders zu sein, ohne unseren jetzigen Körper, als der, der wir jetzt sind ... Viel angenehmer wäre es doch, einfach einzuschlafen und nie mehr aufzuwachen, nichts mehr zu wissen... wie ein ewiger Schlaf ...

    Mein Glaube ist, daß dieses Leben ganz einmalig ist, wenngleich in der Bibel auch steht, daß wir ins Paradies kommen (womit gern der Garten Eden verwechselt wird) ... aber das ist eben so ganz unvorstellbar für unsereins als Mensch auf dieser Erde. Vielleicht als unser "Geist" ?? ;-) Denn das die Seele unsterblich ist, das glaube ich durchaus!

    Aber es kann durchaus möglich sein, daß wir nach dem Tode irgendwo "aufwachen" - doch das wären wir in der jetzigen Form mit unserem Körper da doch nicht, da dieser vergeht. Und insofern werden wir wohl auch kaum Erinnerung an unser jetziges Leben haben. Also mache ich mir darum auch kaum Gedanken und vertraue auf Gott, daß er es immer richtig machen wird.

    Viele liebe Grüße nochmal
    Sara

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