Mittwoch, 16. November 2011

Angst vor Burnout und Depression wächst

Die Angst vor einem Burnout und Depressionen wächst in der Bevölkerung, wie in einem Artikel in der Süddeutschen Zeitung Online zu lesen ist.

Zitat: "Deutsche fürchten sich deutlich mehr vor psychischen Erkrankungen als noch vor einem Jahr; diese Zunahme könnte auch an der vermehrten Berichterstattung liegen. Am größten ist die Angst jedoch vor der universellen Bedrohung durch den Krebs." (Zitatende)

Seltsam ist jedoch diese Ambivalenz zwischen der Angst der Menschen vor diesen Krankheiten und wie sie damit umgehen. Es ist meiner Beobachtung nach nämlich nach wie vor so, dass Menschen mit psychischen Erkrankungen mit einem Makel behaftet sind und ausgegrenzt werden. Man bekommt durch das Verhalten vieler Menschen, die damit zu tun haben, fast den Eindruck, es wäre eine ansteckende Krankheit: "Bitte komm mir nicht zu nahe, ich will damit nichts zu tun haben", signalisieren viele Menschen durch ihr Verhalten.

Zumindest haben sehr viele Menschen Berührungsängste, können mit dieser Krankheit nicht umgehen. Während man über andere Krankheiten normal reden kann, wird über psychische Erkrankungen oft immer noch nur im Flüsterton gesprochen. Oder man macht sich lustig darüber. Man kann immer noch nicht normal damit umgehen.

Übel in diesem Zusammenhang finde ich übrigens die Sendung "Neues aus der Anstalt" mit Urban Priol. Diesen Kabarettisten schätzte ich anfangs, doch inzwischen finde ich ihn nur noch peinlich, auch wie er das Thema als Aufhänger für seine Auftritte nimmt. Kein Wunder, wenn die Leute Angst davor haben, auch an einer psychischen Krankheit zu erkranken, wenn sie damit rechnen müssen, dadurch nicht mehr ernst genommen und von anderen durch den Kakao gezogen zu werden.

Ich hoffe, das wird langsam besser, auch durch die vermehrte Berichterstattung und durch die Prominenten, die offen mit ihrer Erkrankung umgehen.

Kommentare:

  1. Liebe Irmgard!
    Ich denke, dass die Zunahme dieser Krankheit auch sehr viel mit Vereinsamung zu tun haben kann.
    Als ich noch jung war, gab es viel mehr Kontakte zu anderen Leuten, egal ob es spontane Besuche oder gemeinsame Ausflüge waren.
    Heute muss man sich vor einem Treffen erst einmal telefonisch anmelden oder einen Termin ausmachen. Und das Wandern ist so ziemlich aus der Mode gekommen.
    Lieben Gruß
    Lemmie

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  2. Ich glaube, das gilt immer für die unwissenden oder leicht beschränkten Zeitgenossen. Denn es gibt doch auch schon viele Menschen, die ja selbst betroffen sind.
    Und wer ist heutzutage nicht auf irgendeine Weise krank? So richtig Gesunde gibt es doch kaum noch.
    In unserem Umfeld hat die Akzeptanz, was das betrifft, allerdings eher zu- als abgenommen. Ich weiß jetzt nicht, ob es auf die Bildung ankommt oder eher ein charakterliches Problem ist, vielleicht auch auf kleinen Dörfern noch? Obwohl ich das von unserem Ort nicht sagen kann ...

    Zu der Kabarett-Sendung kann ich leider auch nichts sagen, da ich kaum fern schaue. Ich finde es aber auch nicht gut, wenn man mit so etwas seine Späßchen treibt.

    Mein Rat an Betroffene wäre, einfach nichts aus dem Gerede der Leute machen und seinen Weg konsequent gehen. Man muß schließlich nicht mit aller Welt lieb Kind sein.

    Liebe Grüße nochmal
    Sara

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  3. Guten Abend, liebe Irmgard,

    ein ganz wichtiges Thema sprichst du hier an, das finde ich gut.

    Es ist wirklich schlimm, daß psychische Erkrankungen immer noch mit einem Tabu belegt sind oder gar Gegenstand von "Komik" werden (ich kenn diese Sendung allerdings nicht, weil ich an so etwas generell kein Interesse habe) ..da kann ich mich deiner Hoffnung nur anschließen, daß sich da eine positive Entwicklung anbahnt und der Umgang damit offener wird.

    Meine Erfahrung in meinem direkten Umfeld ist allerdings sogar "positiv" dahingehend, daß es schon offen thematisiert worden ist, und die Betroffenen nicht "stigmatisiert" worden sind, sondern im Gegenteil viel Unterstützung erfahren haben.

    Deinen aktuellen Eintrag hab ich auch mit großem Interesse gelesen, werd dir dazu aber noch separat kommentieren in den nächsten Tagen :) die Wellingtonie auf dem Bild hab ich auch schon gesehen ;)

    Liebe Abendgrüße zu dir :)

    Ocean

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  4. Danke euch auch hier für eure sehr ausführlichen Antworten! Ja, es stimmt, die Akzeptanz nimmt zu. Vielleicht habe ich es auch etwas sehr negativ gesehen. Eine positivere Sicht auf die Dinge durch mich würde ja auch die Wahrheit nicht verdrehen ;-)
    Danke, dass ihr auch über diese positiven Erfahrungen in eurem Umfeld berichtet habt.

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